37. ADAC Motocross: „Das ist sportlich schon der Wahnsinn“

MC Vellahn konnte zu seinem 37. ADAC Motocross in der heimischen Heide ein echtes Klassefeld präsentieren

Vellahn: Was doch Erfahrung ausmacht. „Das sieht heute Vormittag schon super aus. Der große Ansturm kommt, wenn die Leute Mittag gegessen haben“, schätzten Ute Zecher und Beate Schwarz ein. Die beiden 59-Jährigen sitzen seit 30 Jahren an der Kasse, wenn der MC Vellahn zu seinen Motorsport-Veranstaltungen lädt. „Wir gehören schon zum Inventar.“ Und sie lagen natürlich richtig. 2500 Zuschauer pilgerten am Sonntag in die Vellahner Heide, um Motocross vom Allerfeinsten live mitzuerleben.

DemoErstmalig fuhren die Könner der Open-Klasse, auch Königsklasse genannt in Vellahn um Punkte für die deutsche Meisterschaft. Nicht weniger stark besetzt präsentierte sich das Feld der 125er, die ebenfalls einen DM-Lauf austrugen. Komplettiert wurde das Programm von den Senioren Ü37, die sich im Kampf um die Landesmeisterschaft maßen. „Das ist sportlich schon der Wahnsinn. Ein Hammerfeld“, konnte und wollte Thomas Herr den Stolz auf diese Veranstaltung nicht verhehlen. Der sportliche Leiter des MC Vellahn hätte ebenso wie Clubchef Andre Eltermann gut einen Kilometerzähler gebrauchen können. Beide waren ständig entlang der Strecke auf Tour. „Das ist inzwischen mein zweites Wohnzimmer, das ich allerdings mit anderen teile. Wir haben hier ein tolles Team“, hob Herr ausdrücklich hervor. Rund 100 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Es gab Lob von allen Seiten. So zum Beispiel von Jens Getteman. Der Belgier baute seine Führung in der deutschen Meisterschaft durch zwei souveräne Laufsiege aus. „Die Strecke ist richtig tricky, mit dem Mix aus Sand und hartem Untergrund sehr anspruchsvoll. Für mich ist das eine der schönsten innerhalb dieser Serie.“ Gesamtzweiter wurde der dänische Gaststarter Bastian Boegh Damm. Den Pokal für den Bronzerang nahm Stefan Ekerold (MSC Fischbach) mit nach Hause.

Die Gelegenheit, sich vor der Haustür mit so hochklassiger Konkurrenz zu messen, wollte Denny Wolter unbedingt nutzen. Der 31-jährige Wittenburger, den schon 1997 das Motocross-Fieber gepackt hat und der seit 2007 für den MC Vellahn fährt, sah diesen Wettkampf in erster Linie als Training. „Das ist ja schon eine Liga höher als ich normalerweise fahre. Hier sind alle schnell, vom ersten bis zum letzten.“ Der Lokalmatador schlug sich auf seiner Heimstrecke hervorragend. Sein vordergründiges Ziel, aus der ersten Startreihe ins Rennen zu gehen, hatte er als 26. der Qualifikation schon einmal geschafft. „Wenn’s ganz gut läuft, kann ich vielleicht sogar einen DM Punkt erhaschen.“ Und auch das gelang Wolter. Mit dem 20. Platz im ersten Lauf legte er eine Punktlandung hin.

Bei den 125ern hatte der MC Vellahn mit Cato Nickel sogar ein heißes Eisen im Feuer. Der 14-jährige Schweriner legte im Training die zweitschnellste Zeit hin. Vater Andreas dämpfte die Erwartungen. „Das ist schon megacool gelaufen. Wollen wir mal hoffen, dass er ohne technische Probleme durchkommt.“ Er hätte wohl besser nicht orakelt. Cato kam im ersten Lauf relativ schlecht weg, kämpfte sich bis auf den fünften Platz vor, um dann durch einen platten Hinterreifen extrem gehandicapt zu werden. Immerhin rettete er sich als Achter ins Ziel. Dank des vierten Platzes im zweiten Lauf stand im Tagesklassement ein fünfter Rang zu Buche. Dominiert wurde das Feld von Simon Längenfelder. Das 15-jährige Riesentalent aus Bayern ließ die Konkurrenz in beiden Läufen weit hinter sich. Auch Längenfelder sprach von einer „tollen Strecke“. Anstatt seinen 15. Geburtstag zu Hause zu feiern, machte sich Vorjahressieger Nico Greutmann auf den weiten Weg aus der Schweiz nach Vellahn: „Ein Platz unter den ersten Fünf wäre ein schönes Geschenk. Aber das wird schwer.“ Am Ende reichte es hinter Längenfelder und dem zweitplatzierten Leon Rehberg (MSC Teutschenthal) sogar fürs Treppchen. Zudem überraschte Thomas Herr den jungen Eidgenossen beim Interview mit Streckensprecher Horst Kaiser mit einem Präsent, einer Trainingsjacke – natürlich vom MC Vellahn.

Bei den Senioren lieferten sich Michael Dittmann (MSC Groß Schwiesow) und Arne Domeyer (MC Rehna) ein packendes Duell. Bei seinem Sieg im ersten Lauf profitierte Dittmann von einem Ausrutscher des Konkurrenten. Der Enduro-Europameister drehte den Spieß im zweiten Lauf um und sicherte sich so den Tagessieg. Dritter wurde Frank Schapert (MC Schwerin Süd).

Der Krankenwagen kam nur einmal zum Einsatz. Björn Feldt (MC Grevesmühlen) brach sich bei einem Sturz das Schlüsselbein und landete noch gestern auf dem OP-Tisch (gute Besserung). „Die Stimmung im Fahrerlager war sensationell gut. Inklusive der Siegerehrung passte alles auf den Punkt. Jetzt heißt es genießen und die Veranstaltung ausklingen lassen“, resümierte ein ziemlich geschaffter, aber auch hörbar zufriedener Thomas Herr.

Thomas Willmann


Quelle: hhttps://www.svz.de/sport/lokaler-sport/lokaler-sport-hagenower-kreisblatt/37-ADAC-Motocross-Das-ist-sportlich-schon-der-Wahnsinn-id23903827.html